Ratgeber · Psychische Belastung

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung.

Anleitung nach §5 ArbSchG und den GDA-Leitlinien — inklusive editierbarer Vorlage, die speziell für Startups, moderne Büros und hybride Teams entwickelt wurde.

Warum psychische Belastung beurteilen?

Seit 2013 stellt §5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG klar: Auch psychische Belastungen sind Teil der Gefährdungsbeurteilung. Aufsichtsbehörden prüfen das inzwischen aktiv — insbesondere bei Startups, Agenturen und Bürobetrieben, in denen Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und Homeoffice-Regelungen typische Belastungsquellen sind.

Fehlt die Beurteilung, drohen Bußgelder bis 30.000 € — und im Krankheitsfall persönliche Haftung der Geschäftsführung.

Die 5 Merkmalsbereiche nach GDA-Leitlinie

  • Arbeitsinhalt (Vollständigkeit, Handlungsspielraum, Verantwortung)
  • Arbeitsorganisation (Arbeitszeit, -abläufe, Kommunikation)
  • Soziale Beziehungen (Führung, Kollegen, Konflikte)
  • Arbeitsumgebung (Lärm, Licht, Ergonomie)
  • Neue Arbeitsformen (Homeoffice, mobile Arbeit, Erreichbarkeit)

In 7 Schritten zur GBU psychischer Belastung

  1. 1
    Tätigkeiten festlegen
    Ähnliche Rollen bündeln (z. B. Entwickler, Sales, Support) — nicht jede Person einzeln.
  2. 2
    Belastungen ermitteln
    Kombination aus Beobachtung, moderiertem Workshop und anonymer Befragung.
  3. 3
    Belastung bewerten
    Nach Häufigkeit × Intensität — Fokus auf kritische Merkmalsbereiche.
  4. 4
    Maßnahmen ableiten
    Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention: erst Prozesse & Rahmen, dann Coachings.
  5. 5
    Maßnahmen umsetzen
    Verantwortliche, Frist, Budget — dokumentiert im Maßnahmenplan.
  6. 6
    Wirksamkeit prüfen
    Follow-up nach 3–6 Monaten mit Kurzbefragung oder Kennzahlen (Fluktuation, Krankenstand).
  7. 7
    Fortschreiben
    Bei Umstrukturierung, starkem Wachstum, neuen Rollen — sonst mindestens alle 1–2 Jahre.

Typische Belastungen in modernen Büros

Ständige Erreichbarkeit
Slack/Teams-Notifications außerhalb der Kernzeiten — klare Regeln definieren.
Unklare Rollen
In wachsenden Teams eine Hauptursache für Stress — Rollenklärung dokumentieren.
Zeit- & Termindruck
Sprint-Planning realistisch, Puffer für Reviews & Bugs einplanen.
Homeoffice-Isolation
Regelmäßige 1:1s, hybride Rituale, Präsenztage bewusst gestalten.

Editierbare Vorlage: GBU psychischer Belastung

Word- und Excel-Vorlage nach GDA-Leitlinie, mit Fragebogen für anonyme Mitarbeiterbefragung, Maßnahmenplan und Wirksamkeitskontrolle — sofort einsetzbar.

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Häufige Fragen

Ist die GBU psychischer Belastung Pflicht?

Ja, seit 2013 explizit in §5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG — unabhängig von Branche oder Größe.

Reicht eine anonyme Mitarbeiterbefragung?

Nein. Die Befragung ist ein Baustein — es braucht zusätzlich Beobachtung, Workshops und einen dokumentierten Maßnahmenplan.

Ab welcher Teamgröße ist Anonymität möglich?

Als Faustregel: Auswertungsgruppen ab 5–10 Personen. Kleinere Teams über moderierte Workshops abbilden.

Wer moderiert den Prozess?

Idealerweise die Fachkraft für Arbeitssicherheit gemeinsam mit Betriebsarzt oder externem Coach. Wir unterstützen dabei — siehe Leistungen.